Portraits

Willy Dorner -  kommunalpolitisches Urgestein und überzeugtes "Schrättele"
BAD WALDSEE - Seit mehr als drei Jahrzehnten prägt Willy Dorner als Gemeinderat die Geschicke der Stadt Bad Waldsee mit. In diesem Jahr kandidiert er erneut und hofft - wie vor fünf Jahren - auf ein sehr gutes Wahlergebnis der CDU. Willy Dorner ist noch immer ehrgeizig, das gibt er unumwunden zu. "Ehrgeizig bin ich - mit Sicherheit, sehr sogar", sagt er und unterstreicht seine Aussage mit einem schelmisches Lächeln. 
Er ist schon etwas stolz darauf, dass er immer unter den ersten vier Kandidaten war, die bei den Gemeinderatswahlen die meisten Stimmen erhalten haben. Ehrgeizig und strebsam war der jetzt im Altersteilzeitruhestand sich befindende 60-Jährige aber auch im Beruf. Er hat bei der BAG in Bad Waldsee gelernt und war dann 30 Jahre lang bei der BASF - Landwirtschaft, wo er als Verkaufsberater für Pfanzenbehandlungs- und Düngemitteln die Region Oberland betreute. "Ich wollte natürlich auch im Beruf glänzen", so der oftmals als erfolgreichster Verkäufer geschätzte Mitarbeiter. Seit etwa einem halben Jahr ist er im Ruhestand. Jetzt hat er die Zeit, um seine kommunalpolitische Ziele mit noch mehr Elan zu verfolgen. So wollte er unbedingt für die anstehende Kommunalwahl die CDU-Liste schon ganz früh zusammengestellt haben. Das ist ihm gelungen und, so Willy Dorner, "wir haben sehr gute Leute auf der Liste". 
Wilhelm Anton Martin Dorner, wie er mit all seinen Vornamen heißt, wird von den meisten Waldseern schlicht Willy genannt. Das ist ihm recht so. Er ist ein sehr offener und kontaktfreudiger Mensch. Und ein Charmeur ohnegleichen. Das, so gibt er etwas kleinlaut zu, sei seiner Frau nicht immer ganz so recht. "Vielleicht übertreibe ich das auch manchmal" räumt er ein, allerdings ohne dass noch wirkliches Bedauern bei seinem Eingeständnis mitschwingen würde. Willy Dorner ist - so würde man vielleicht treffend feststellen können - ein echter "Schlawiner". Knitz, schlitzohrig und sich unbändig freuend, wenn er wieder einmal jemanden "am Seil nauflassa ka", wie er seinen Humor bezeichnet. Da liegt es nahe, dass er bei der Waldseer Fasnet am liebsten ins Häs des Schrättele schlüpft. "Ich genieße den Schabernack", sagt er, als "Schorraweible" müsse er "einfach viel zu brav sein". Wer so leidenschaftlich gerne wie er "in der Fasnet springt", geht auch sehr bewusst in die Kirche. Er sei sehr fest in der Kirche verankert sein Glaube habe ihm immer Wegweisung gegeben, so der Vater eines Benediktinerpaters, der selbst schon bald dreißig Jahre in einem Familienkreis dabei ist, in dem regelmäßig auch über christliche Themen diskutiert wird. Pfarrer, so gibt er zu, wollte er allerdings niemals werden, ebenso wenig wie Bürgermeister. "Ich brauche Frau und Familie. Das bedeutet mir sehr sehr viel", sagt er. Und dennoch bewundert er, dass der ältere seiner beiden Söhne, Nikolaus Dorner, den Weg ins Benediktinerkloster Weingarten gegangen ist. Der jüngere seiner beiden Buben ist Raumausstatter, Sportler und hat dem Anschein nach ein gehöriges Maß Charme von seinem Vater geerbt. "Die beiden Buben verstehen sich allerdings prächtig" wundert sich der Familienvater und freut sich zugleich. Sportler war auch Willy Dorner selbst. Als 100-Meter-Staffelläufer ist er auch schon mit Gerhard Hennige gelaufen, der 1968 in Mexiko immerhin Silbermedaillengewinner wurde. "Ich musste immer als Kurvenläufer antreten", so Willy Dorner, der es in seinen besten Zeiten auf eine Zeit von 11,5 Sekunden für die hundert Meter brachte, "wegen der kurzen Füaß", sagt er und wiederum huscht ein schelmisches Lächeln über sein graubärtiges Gesicht. Schon bald nach seinen Stationen als Pfarrjugendleiter und erfolgreicher Kurvenläufer wurde er als 27-Jähriger erstmals in den Stadtrat gewählt. Er wollte eben schon immer "Verantwortung mittragen", so der jetzige erste ehrenamtliche Stellvertreter des Bürgermeisters und CDU-Fraktionschef im Gemeinderat. Die "Bohrgeschichte", also die Zeit als Bad Waldsee nach einer Thermalquelle bohrte und die Zeit der Eingemeindungen sieht er als die vielleicht wichtigsten Phasen seiner Gemeinderatstätigkeit an. "Ein gutes Miteinander über alle Fraktionen hinweg und zur Verwaltung, sowie ein gutes Verhältnis zu den Ortschaften", nennt er als die Eckpunkte seiner Tätigkeit als Gemeinderat. Als seine politischen Vorbilder nennt er "mit Sicherheit" Konrad Adenauer und bewundert am ersten Kanzler der Bundesrepublik, "wie der die Linien gezogen hat". Auch den ehemaligen Ministerpräsidenten Lothar Späth schätzt er, weil das "Gscheidle" eben so viel bewegt hat. Bewegen will Willy Dorner noch vieles. Mit Engagement bereitet er den Kommunalwahlkampf vor. Dabei hat er mit den neuen Kommunikationsmitteln eine neue Herausforderung entdeckt. "Jeden Tag sitze ich schon frühmorgens am PC", sagt er. Das neue Medium begeistert ihn richtig, damit "kann ich ernorm viel erfahren". Seine Mitstreiter in der CDU Bad Waldsee können ein Lied davon singen. Fast jeden zweiten Tag verschickt der umtriebige Fraktionschef E-Mails an Kandidaten und Vorstandschaft der CDU. Mit seinen vielen ehrenamtlichen Verpflichtungen bei der Narrenzunft, im Musikverein Bad Waldsee, als stellvertretender Vorsitzender des CDU-Stadtverbands usw. hat er gar keine Zeit, Ruheständler zu sein. Und wenn doch einmal etwas Ruhe einkehrt, dann, so freut er sich, geht er zum Wandern und genießt die Bergwelt. 

Peter Lutz - werteorientierter Beatles-Fan mit CDU-Parteibuch
- seit 10 Jahren CDU-Stadtverbandsvorsitzender

BAD WALDSEE Er ist mit ganzem Herzen der CDU verbunden. In seinem Beruf und in seiner Freizeit spielen die drei Parteibuchstaben und das Programm, das dahinter steckt, eine große Rolle. Peter Lutz, der 60jährige Leiter des Bildungswerks Ravensburg der Konrad-Adenauer-Stiftung feiert im Herbst des Jahres sein 10jähriges Jubiläum als Vorsitzender des CDU-Stadtverbands Bad Waldsee.                                                                                                                                                                                                 
Kaum
da und schon gewählt
"Kaum
war ich da, wurde ich schon gewählt", erklärt Peter Lutz und berichtet von seiner erstmaligen Wahl zum CDU-Stadtverbandsvorsitzenden und Nachfolger von Manfred Scheible. Eigentlich wollte er, der erst 1990 nach Bad Waldsee kam, im Kreisvorstand mitarbeiten, trug dieses Anliegen 1991 dem damaligen Waldseer Stadtverbandsvorsitzenden vor und wurde mit einem hoch erfreuten "Sie kommen wie gerufen" von diesem sogleich für dessen Nachfolge gewonnen. Im Kreisvorstand war Lutz bis vor kurzem zudem engagiert, sein Vorhaben, auch in den Gemeinderat der Stadt Bad Waldsee gewählt zu werden, scheiterte. "In Waldsee", so gibt er die Einschätzung eines Parteifreundes wieder, "ist es schon fast Tradition, dass der Vorsitzende eher nicht in den Stadtrat gewählt wird". Vielleicht, so vermutet er, liegt's auch daran, dass er untertags eben nicht in Bad Waldsee ist, sondern im Bildungswerk der Konrad-Adenauer-Stiftung oder irgendwo in Baden-Württemberg und darüber hinaus beruflich unterwegs.

Volkswirt und Südasien-Experte
Seit 1977 arbeitet der studierte Volkswirtschaftler bei der Konrad-Adenauer-Stiftung. Zunächst war er von 1977 bis 1990 in Stuttgart tätig, bevor er sich dann aussuchen durfte, ob er nach Karlsruhe oder Bad Waldsee wechseln wollte. Beide Büros hatte er von Stuttgart aus aufgebaut. Er entschied sich für das Oberland, obwohl Karlsruhe seiner Heimat näher gewesen wäre.  Bereut hat er den damaligen Entschluss nicht. Im Gegenteil.
Seine politische Heimat ist die CDU. Eine regionale Heimatverbundenheit kann er derweil nicht so leicht festlegen. Vielleicht liegt darin begründet, dass sich Lutz gerne auch als überzeugter "Europäer" versteht.
Peter Lutz ist in seiner Jugend schon weit herum gekommen. Geboren wurde er in Stuttgart-Bad Cannstatt in der dortigen St.-Anna-Klinik. Über Biberach, Landshut, Regensburg landete er schließlich in Mannheim, wo er von 1953 bis 1977 lebte und sein Abitur machte. Die besten Erinnerungen hat er an die Kurpfalz, weil er dort eben den größten Teil seiner Schulzeit verbrachte. Nach dem Abitur, das er erst mit 22 Jahren ablegen konnte, weil seinerzeit in Landshut alle Schulen zerbombt waren und er so erst später als üblich eingeschult werden konnte, zog es ihn nach Heidelberg, wo er zunächst Englisch und Französisch studierte, das Studium dann allerdings abbrach und sich der Volkswirtschaftslehre zuwandte und sein Diplom machte. Nach einer kurzen Zeit bei einer Bank, kehrte er an die Uni Heidelberg zurück und war Wissenschaftlicher Assistent am dortigen Südasien-Insitut. "Leider", so Peter Lutz rückblickend, konnte er seine Forschungen nur von Heidelberg aus betreiben. In Südasien war er nie, "weil dorthin der Professor immer selbst ging". Politische Unruhen in Pakistan "verhagelten" ihm dann auch noch seine Doktorarbeit, "weil mir Pakistan dann irgendwann in Ost und West zerfallen ist" (Anmerkung: das war 1971, als Ostpakistan sich in einem Bürgerkrieg die Unabhängigkeit erkämpfte und fortan Bangladesh hieß). Dennoch, die zahllosen Kontakte mit Leuten aus aller Herren Länder möchte er nicht missen.

Vom RCDS über die JU und zur CDU
Schon im Studium sah sich der aus "bürgerlichem Hause" stammende Peter Lutz dem RCDS (Ring christlich-demokratischer Studenten) verbunden. Ohne noch selbst CDU-Mitglied zu sein, war er in den bewegten Zeiten der 68-er auch schon mal mit dabei, als es galt, eine Sitzblockade zu sprengen. Die Erfahrung als RCDS-ler in der Minderheit zu sein, hat ihn geprägt. Später, in der JU, konnte er dann viel an politischer Erfahrung sammeln und gewann nicht nur viele gute Freunde, sondern lernte auch seine Frau kennen. Mittlerweile haben die beiden vier Kinder. Aus der Zeit seiner JU-Karriere und der Mitarbeit im Orts-, Kreis-, Bezirks- und Landesvorstand hat er noch viele Bekannte, deren Namen sich fast wie das "who is who" der CDU Baden-Württembergs anhören. Haasis, Scheffold, Oettinger, Andreas Renner, der jetzige Staatssekretär Helmut Rau, Heinz Wiese, Matthias Wissmann, Wolfgang Reinhardt, Karl Lamers, die Schäuble-Brüder, Hermann Schaufler. Sie alle kennt Peter Lutz zum größten Teil noch aus JU-Zeiten. Zu vielen von ihnen pflegt er bis heute noch freundschaftliche Kontakte.
Ansonsten aber ist sein Lebensmittelpunkt tatsächlich das Oberland geworden. In der CDU fühlt er sich wohl. Er schätzt die guten Kontakte und den Zusammenhalt im Stadtverband. Und nicht ganz ohne Stolz erklärt er, dass "die CDU in Bad Waldsee die einzige Partei vor Ort ist, die sichtbar ist". Insgesamt, so sein Rückblick auf die vergangenen zehn Jahre als Vorsitzender, hat es immer viel Grund zum Feiern gegeben, wenn man mal die Bundestagswahl von 1998 ausnimmt. Zudem, so zeigt sich Lutz etwas betrübt, sei es bisher nicht gelungen, mehr Frauen für das Engagement in der CDU zu gewinnen.

Noch immer werteorientierter Beatles-Fan
Die Arbeit im Stadtverband und in einer Partei ist ihm wichtig. Für ihn ganz persönlich gilt, dass er zeigen möchte, dass "es in der Politik auch anständig zugehen kann". Trotz nachweislich großer Verdienste, so stellt er fest, hätten die Parteien insgesamt eben doch einen viel schlechteren Ruf als sie es eigentlich verdienten. Schwerpunkte seiner politischen Vision sind die Stärkung der Familie und die Betonung des christlichen Menschenbilds, dem sich die CDU verpflichtet wisse. "Das C im Parteinamen ist für mich Verpflichtung, die christliche Wertorientierung hat sich bewährt". Mit den derzeitigen Tendenzen, sich auf eine "Mitte" hin zuzubewegen, ist er allerdings nicht ganz einverstanden. "Mir ist Profilierung wichtig. Der Drang in die Mitte ist doch durchsichtig und letztlich ein wahltaktisches Manöver". In dieser Hinsicht kann Peter Lutz auch schon mal deutlich werden. So hat er auch im CDU-Kommunalwahlkampf immer wieder davor gewarnt, einen politischen "Schmusekurs" mit den anderen Parteien einzuschlagen. Wie gesagt, Profilierung und das Einstehen für eine Position sind ihm wichtig, wenngleich er sich hin und wieder für sich auch "Wege zu mehr Gelassenheit",  eröffnen will. Das Buch von Pierre Stutz, einem Schweizer Mönch, mit eben dem Titel "Wege zu mehr Gelassenheit" liegt derzeit auf seinem Nachttisch. Lesen gehört für Peter Lutz nicht nur zu seinem Beruf, sondern ist ihm auch persönlich ein wichtiges Anliegen. Ansonsten entspannt er sich im Sport. Früher war er mal ein guter Schlittschuhläufer. Heute sind es die Sportarten Skifahren, Tennis, Radfahren und Wandern, die es dem Wahlwaldseer, passionierten Modelleisenbahner und Vorsitzenden der Jugendmusikschule Bad Waldsee (seit März 2000) angetan haben. Seit fast der gleichen Zeit ist er auch Vorstandsmitglied der Stadtkapelle Bad Waldsee. Und – wie könnte es als Vorsitzender der Jugendmusikschule anders sein – natürlich auch die Musik. Dabei ist sein Spektrum sehr weit. Im Auto hört er am liebsten SWR 3 und das nicht wegen der Nachrichten, sondern weil es dort "poppige" Musik gibt. Beatles-Fan ist er bis auf den heutigen Tag, hört sich aber genau so gerne auch mal etwas von der friedensbewegten Joan Baez an oder genießt Aufnahmen von Konzerten an der Weingartener Gabler-Orgel oder von Komponisten wie Edvard Grieg.

  Günter Brutscher